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05.05.2022

Jeder Mensch ist einzigartig.

Ralph Eichenseher, Leiter des Fachbereichs Autismus, berichtet von gelebter Vielfalt im Fachbereich.

Rummelsberg – 2022 steht die Rummelsberger Diakonie im Zeichen von Diversität, Vielfalt und Gleichstellung. Der studierte Heilpädagoge Ralph Eichenseher leitet seit sechs Jahren den Fachbereich Autismus. Der 42-Jährige erklärt im Interview, wie er in den Mitarbeiter*innen göttliche Funken sieht, wie Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung am Gegenüber wachsen und warum der Fachbereich so stark ist beim Thema Frauen in Führungspositionen.

Herr Eichenseher, die Rummelsberger haben für 2022 das Jahr der Vielfalt ausgerufen. Wissen Sie, wie es damit im Fachbereich bestellt ist?
Ralph Eichenseher:  Vielfalt ist meiner Meinung nach die Anerkennung dessen, dass jeder Mensch einzigartig ist. Ein Individuum also, das unabhängig von Merkmalen wie Geschlecht, Alter, Religion und Führungsposition sein darf. Diese Überzeugung lebe ich auch in meiner Rolle als Dienststellenleitung. Jede(r) hat für mich einen göttlichen Funken und das macht uns gleichwertig, als Mensch und als Mitarbeiter*innen der Rummelsberger Diakonie. Bei der Personalauswahl für bestimmte Positionen und für Leitungsaufgaben setze ich im Vorfeld keinen Filter, sondern schaue mir den Menschen an. Ich prüfe, ob die Haltung für uns passt und die nötigen Kompetenzen mitgebracht werden. Und auch ohne diese Kriterien anzuwenden, haben wir im Fachbereich einen recht ausgewogenen Anteil an weiblichen und männlichen Mitarbeiter*innen im Alter zwischen 21 und 66 Jahren. Mit einem Anteil von 42 Prozent Männern liegen wir deutlich über dem Durchschnitt der Rummelsberger Behindertenhilfe. Hier sind im Durchschnitt 24 Prozent der Mitarbeiter männlich. Auch die Teamleitungen sind im Fachbereich überwiegend weiblich besetzt und meine Chefin ist auch eine Frau.

Der Fachbereich Autismus hat 54 Mitarbeiter*innen. Wissen Sie aus dem Stehgreif, welche Religion die Kolleg*innen haben?
Ralph Eichenseher: Ich habe es nachgeschaut. Die meisten Mitarbeiter*innen des Fachbereichs Autismus sind evangelisch, viele auch katholisch und hier arbeiten auch einige ohne Bekenntnis. Religion gibt den Menschen die Möglichkeit, sich aktiv mit Werten und Moral auseinanderzusetzen, mit dem Ziel eines friedvollen Miteinanders. Daher stellt sich für mich in erster Linie nicht die Frage, aus welcher Religion heraus, die Menschen agieren, sondern vielmehr wie sie miteinander und den ihnen anvertrauten Menschen im Autismus-Spektrum umgehen.

Vielfalt bereichert  - stimmen Sie dem zu?
Ralph Eichenseher: Auf jeden Fall. Gute Ideen und Entwicklungen entstehen, wenn unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrungen gut zusammenarbeiten. So kommen neue Perspektiven in Projekte, innovative Ansätze können entwickelt werden. Wichtig ist die Vielfalt auch in unserer alltäglichen Arbeit. Um die unterschiedlichsten Bedürfnisse unserer häufig sehr individuellen Bewohner*innen und Teilnehmer*innen erfüllen zu können, benötigt es mindestens ebenso viele Antworten und Angebote. Nicht jeder kann und will beispielsweise Klient*innen auf ein Rock-Konzert begleiten oder einen Blick dafür haben, wann ein Fenster geputzt werden sollte oder im Todesfall das Umfeld seelsorgerlich begleiten. Der Mensch wird am "Du" zum "Ich" hat es Religionspädagoge Martin Buber beschrieben. Für uns heißt das: Je vielfältiger meine Gegenüber („Du“) sind, desto einfacher fällt es dem „Ich“, Verhalten, Ansichten und Einstellungen zu vergleichen und den eigenen Weg zu finden und zu gehen.

Achten Sie bei Neueinstellungen darauf, auch Menschen mit einem internationalen Hintergrund einzustellen?
Ralph Eichenseher: Die Arbeit mit Menschen im Autismus-Spektrum ist besonders und auf diese Besonderheiten müssen sich die Mitarbeitenden einstellen. Daher achten wir in der Personalakquise und bei der Personalauswahl darauf, dass die Mitarbeitenden keine falschen Vorstellungen von ihrer künftigen Arbeit haben. Auf unserer Bewerberseite www.jobsplussinn.de haben wir Mitarbeiter*innen und Klient*innen porträtiert, die berichten, was bei uns so besonders ist. Dieses Konzept funktioniert sehr gut. Und wir haben momentan die Kapazität, (internationale) Fachkräfte bei uns willkommen zu heißen.  


Von: Heike Reinhold

Ralph Eichenseher arbeitet seit 15 Jahren bei der Rummelsberger Diakonie und leitet nun seit sechs Jahren den Fachbereich Autismus. Foto: Heike Reinhold